Der Navajeevan Freundeskreis ist ein gemeinnütziger Verein, der das indische Straßenkinder-Projekt Navajeevan in Vijayawada unterstützt.
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Familienanschluss für Streetkids: Das Kinderdorf Chiguru
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| Mit 15.000 Euro der Stiftung Pro Donare konnte das Kinderdorf im Süden Indiens vier Monate betrieben werden. Die Einrichtung der Organisation Navajeevan bietet bis zu 150 Mädchen und Jungen ein Zuhause. Die Kinder haben zuvor auf der Straße gelebt oder kommen aus schwierigen Verhältnissen. Sie erlebten Gewalt, konnten oder durften nicht zur Schule gehen und mussten stattdessen arbeiten. Ihr neues Zuhause Chiguru liegt im Westen von Vijayawada, der Hauptstadt des indischen Bundesstaats Andra Pradesh. Für die Kinder ist es der Start in neues Leben. |
Viele der Mädchen und Jungen sind Waisen, wie der 13-jährige Malleswara Rao. Er verdiente als
Tagelöhner ein wenig Geld in einem Geschäft, das Hühner verkauft, und schlief auf der Straße.
Über Childline, einer indienweiten Telefon-Hotline für Kinder in Not, wurde diese illegale
Kinderarbeit gemeldet, so dass der Junge schließlich bei Navajeevan landete. Die Organisation
arbeitet eng mit den Behörden in Vijayawada zusammen und bietet Kindern wie Malleswara Rao
Unterstützung. Im Kinderdorf Chiguru findet er nicht nur ein Zuhause, sondern auch ein
„geregeltes“ Leben mit einer Struktur, festen Mahlzeiten und medizinischer Versorgung.
Dort kann Malleswara Rao endlich Kind sein – ohne Sorge, ob das Geld für eine Mahlzeit reicht,
oder ob er einen guten Schlafplatz findet. Der Junge schläft mit vier anderen Kindern in einem
Raum. Betreut wird er von einer sogenannten Caremother, die für eine Gruppe von bis zu
20 Kindern zuständig ist. Die Caremother übernimmt auch Teile des Unterrichts, der ansonsten von
zwei hauptamtlichen Lehrern durchgeführt wird. Mit sogenannten Brückenkursen, also
Unterichtsangeboten in verschiedenen Fächern, wird Malleswara Rao wieder an den Besuch einer
regulären Schule gewöhnt, damit er dort seinen Abschluss machen kann.
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Wie der abgebildete Ablauf zeigt, beginnt ein typischer Tag in Chiguru bereits um 5:45 Uhr – mit
Sport und Körperpflege. Große Teile des Tages werden die Kinder unterrichtet, nachmittags
gibt es Freizeit und Spiele. Ganz aktuell haben zwei Mitglieder des Navajeevan Freundeskreis e.V.
den Alltag im Kinderdorf erlebt: Marlene und Rainer Preuss aus Bonn, die von Januar bis
März 2017 als Freiwillige bei Navajeevan gearbeitet haben.
„Der Tag ist streng durchgeplant,
um den Kindern Halt zu geben und sie auf die öffentliche Schule vorzubereiten“, berichten die
Lehrerin und der pensionierte Ingenieur. Das Foto zeigt eine Situation nach dem Abendessen,
wenn die Kindern nochmal lernen: „Am Abend begleiten wir eine Kindergruppe bei ihrer
‚Studytime‘. Sie lesen uns kleine englische Texte vor und lösen Rechenaufgaben, die wir ihnen
stellen.“
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Alle Ausgaben zusammengenommen kostet der Betrieb von Chiguru eigentlich etwa 6400 Euro im Monat,
also 25.600 Euro. Um das Kinderdorf mit den 15.000 Euro der Stiftung Pro Donare vier Monate
finanzieren zu können, musste sich Navajeevan auf die wichtigsten Ausgaben konzentrieren – vor
allem die Gehälter der Mitarbeiter, also unter anderem der Lehrer, der Kinderdorfmütter,
des Kochs, der Waschfrauen oder auch des Wachmanns. Auch Nahrung, medizinische Versorgung und
Strom- und Wasserversorgung konnten so finanziert werden. Andere geplante Ausgaben wie etwa für
Kleidung und Freizeitgestaltung mussten stark gekürzt werden. Dennoch war der Betrieb von
Chiguru möglich – und die Unterstützung durch Pro Donare hat geholfen, dass benachteiligte Kinder
in Indien wieder zurück ins Leben finden können.
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